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Government 2.0 Camp diskutiert neue Dialogformen durch Social Media

Spätestens mit dem Internet-Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten Obama oder den jüngsten Ereignissen im Iran wird deutlich, dass sich das Grundverständnis der Aufgaben und Beziehungen von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit verändert. Das Internet, insbesondere Anwendungen wie Blogs, Microblogs, Wikis oder soziale Netzwerke machen den Weg frei für eine direktere Kommunikation in Echtzeit und für den noch schnelleren und einfacheren Zugriff auch auf verteiltes Wissen. Diese Anwendungen werden unter dem Begriff „Social Media“ oder auch „Web 2.0 Anwendungen“ zusam-mengefasst. Sie ermöglichen neue Formen der Kommunikation, der Kollaboration und der Partizipation. Auch wenn die Konsequenzen dieser Entwicklung noch nicht im Detail absehbar sind, müssen sich der öffentliche Sektor, die Politik und alle damit in Verbindung stehenden Personen und Einrichtungen mit dieser neuen Entwicklung frühzeitig auseinandersetzen. Deshalb veranstaltet der Innovatorsclub des Städte und Gemeindebundes am 28. August 2009 in der Hertie School of Governance in Berlin gemeinsam mit zahlreichen Partnern und Unterstützern das Government 2.0 Camp (Gov 2.0 Camp).

Frau Domscheit, was verbirgt sich hinter dem „Gov 2.0 Camp“?

Anke DomscheitAnke Domscheit: Die nächste Generation des Internets basiert auf hoher Transparenz, enger Zusammenarbeit und breiter Partizipation. Genau das sind die zentralen Aspekte des Gov 2.0 Camps. E-Government 2.0 – mit seinen neuen Kommunikations- und Kollaborationsplattformen und Netzwerken im Internet – bietet vielfältige Möglichkeiten für öffentliche Einrichtungen und politische Mandatsträger. Government 2.0 kann einen neuen Dialog zwischen der Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung und damit eine Stärkung von Demokratie und Bürgergesellschaft ermöglichen. Dazu bedarf es aber bestimmter Voraussetzungen, mit denen sich das Gov 2.0 Camp beschäftigen wird. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Welche Chancen, Auswirkungen und welchen Nutzen haben die Government 2.0-Agenda und Social Media für Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit? In Deutschland gibt es bereits vielfältiges Interesse und auch schon einige gute Beispiele in der Anwendung von Web 2.0 Methoden für die Verwaltung, aber es fehlt letztlich der breite und rege Dialog zwischen den so unterschiedlichen Beteiligten: Social Media Experten, Nichtregierungsorganisationen, Verwaltung und Anbietern, so dass viele Fragen noch offen sind. Das Government 2.0 Camp will das als Plattform ändern und diesen Dialog anstoßen. Außerdem soll so ein Netzwerk initiiert werden, dass als Katalysator auch über das Camp hinaus wirken kann.

Was unterscheidet diese Veranstaltungen von anderen Kongressen und Tagungen?

Anke Domscheit: Das Gov 2.0 Camp ist kein Kongress im klassischen Sinne. Die ganztägige Veranstaltung findet im so genannten „BarCamp-Format“ statt, was bedeutet, dass die Veranstaltung einen offenen, partizipativen Charakter hat und der Ablauf und die Inhalte von den Teilnehmern bestimmt werden. Das ist neu im öffentlichen Sektor in Deutschland. Die Idee des BarCamps stammt aus den Vereinigten Staaten. Von den Organisatoren wird lediglich der Rahmen (zeitlicher Umfang der Vorträge/Workshops, Ort, mediale Hilfsmittel, Internetzugang, etc.) sowie die zentrale Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung organisiert. Alle Teilnehmer haben im Vorfeld die Möglichkeit, ihre Vorträge/Workshops im Internet unverbindlich voranzumelden. Zu Beginn des Government 2.0 Camps werden alle Vorschläge für Vorträge und Workshops kurz vorgestellt. Die Agenda wird anschließend von allen Teilnehmern entsprechend der Resonanz auf die vorgeschlagenen Themen festgelegt. Dieses Konferenzformat ist schon häufig mit positiven Ergebnissen für alle Beteiligten erprobt worden. Es ermöglicht die Expertise und Kreativität aller Teilnehmer so einzusetzen, dass die Schwerpunkte das Interesse der Teilnehmer widerspiegeln und kurzfristig entstandene Interessen berücksichtigt werden können. Damit lebt das Gov 2.0 Camp die zentralen Aspekte von Web 2.0: Transparenz, Zusammenarbeit und Partizipation.

Welche Zielsetzung hat das Gov 2.0 Camp?

Anke Domscheit: Durch die Umsetzung von Web 2.0 im E-Government lassen sich Bürgernähe und Bürgerservice optimieren. Wir wollen zeigen und diskutieren, wie Web 2.0-Werkzeuge für Verwaltungsaufgaben bereits genutzt werden oder neu eingesetzt werden können. Die Veranstaltung soll damit Impulse geben und die Web 2.0-Nutzung fördern. Gleichzeitig wollen wir auch eine Plattform für eine stärkere Vernetzung von Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und der Internet-Community anbieten. Anhand von deutschen und internationalen Best-Practice-Beispielen können die Teilnehmer lernen. Wir wollen aber auch Ängste nehmen, Vorurteile abbauen, Machbarkeit aufzeigen und zu neuen Ideen inspirieren.

Was müssen die Teilnehmer mit- bzw. einbringen und welchen Nutzen haben sie durch die Veranstaltung?

Anke Domscheit: Neben dem persönlichen Interesse an den Themen sollten Teilnehmer vor allem die Bereitschaft mitbringen, sich auf ein neues Veranstaltungsformat einzulassen und sich in die Veranstaltung mit Fragen, Gedanken und Erfahrungen – gern auch mit einer eigenen Session - einzubringen. Der Nutzen ergibt sich dann daraus im Umkehrschluss. Im Gov 2.0 Camp sollen Auswirkungen, Umsetzung, Chancen und Risiken von Government 2.0 diskutiert werden. Die Teilnehmer erhalten Informationen und Fachwissen von den anderen Teilnehmern, können Kontakte und Netzwerke knüpfen und die neuen Erfahrungen in ihren Aufgabenbereich mitnehmen. Außerdem werden erfolgreiche Praxisbeispiele aus dem In- und Ausland in Berlin präsentiert und Zukunftsvisionen, konkrete Lösungen und Projekte entwickelt. Der Nutzen für die Teilnehmer liegt also vor allem im Informationsaustausch und in der Vernetzung von Gleichgesinnten.

Kurze Frage zum Abschluss: Wo können sich Teilnehmer informieren und anmelden?

Anke Domscheit: Alle Informationen für die Teilnahme und über die beteiligten Partner finden Sie im Internet unter www.gov20.de.

Vielen Dank für das Gespräch!

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema? Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an egovinfo@microsoft.com


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